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Kurzübersicht

Industrieschrott: Wertvolle Rohstoffe erfordern präzise Sortierung und Dokumentation.

Industrieschrott umfasst metallische Reststoffe aus der Produktion und Verarbeitung, die als Rohstoff in der Metallindustrie wiederverwendet werden. Eine sorgfältige Trennung und Dokumentation der Schrottarten ist entscheidend für den Erlös und die Verhandlungsmacht der Betriebe. Der richtige Umgang mit Industrieschrott vermeidet Abzüge und rechtliche Probleme.

  • Industrieschrott ist entscheidend für die Stahl- und Metallindustrie.
  • Sortenreinheit und dokumentierte Verfahren erhöhen den Verkaufspreis erheblich.
  • Falsche Abgabe führt häufig zu finanziellen Nachteilen und rechtlichen Verpflichtungen.
Industrieschrott fällt überall dort an, wo Metall gestanzt, gedreht, geschweißt oder zurückgebaut wird. Er gehört zu den wichtigsten Einsatzstoffen der Stahl- und Metallindustrie. Trotzdem landen in vielen Betrieben Späne, Stanzgitter und ausgemusterte Maschinenteile im selben Container, obwohl Händler und Werke nicht das Gewicht allein bezahlen, sondern Sorte und Reinheit. Der Markt verschärft diesen Effekt. Nach Angaben der Fachdienste EUWID Recycling und RECYCLING magazin setzten deutsche Rohstahlhersteller 2025 rund 15,7 Millionen Tonnen Stahlschrott ein, so wenig wie seit 2009 nicht mehr. Wer Sortenlogik, übliche Abzüge und die eigenen Pflichten als Abfallerzeuger kennt, verhandelt auch bei schwacher Nachfrage auf Augenhöhe.

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Was ist Industrieschrott? Definition und Abgrenzung

Industrieschrott sind metallische Reststoffe aus Produktion, Verarbeitung, Instandhaltung und Rückbau in Gewerbe- und Industriebetrieben, die als Sekundärrohstoff in die Metallerzeugung zurückfließen. Der Begriff stammt aus der Handelspraxis und ist kein Rechtsbegriff. Kaufmännisch zählt die Sorte, abfallrechtlich der Abfallschlüssel, und beides hängt davon ab, aus welchem Prozess das Material stammt und wie homogen es ist.

Wie unterscheiden sich Neuschrott und Altschrott?

Neuschrott und Altschrott unterscheiden sich vor allem durch den Zeitpunkt ihrer Entstehung und durch ihre typische Materialreinheit:

MerkmalNeuschrottAltschrott
Entstehungfällt bei Herstellung und Metallverarbeitung anentsteht erst nach Ende der Nutzungsdauer eines Produkts
Typische BeispieleStanzgitter, Randbeschnitt, Brennschnittreste oder SpäneKonsumgüterschrott sowie Schrott aus Abbrüchen, Industrie und Gewerbe
WerkstoffkenntnisZusammensetzung ist aus der eigenen Fertigung meist bekanntZusammensetzung kann durch Nutzung, Anbauteile und Vermischung schwerer einzuschätzen sein
Vermarktunghäufig restelementarm, aber nicht automatisch sauberhäufiger mit Verschraubungen, Lagern, Kabeln oder anderen Fremdstoffen verbunden

Industrieschrott kann zu beiden Gruppen gehören: Verschnitt aus der Blechbearbeitung ist Neuschrott, eine ausgemusterte Werkzeugmaschine dagegen Altschrott.

Der bvse beziffert das Verhältnis von Alt- zu Neuschrott in Deutschland auf etwa 60 : 40, mit einer Verschiebung zugunsten des Neuschrotts. Da kein Bezugsjahr genannt wird, eignet sich die Angabe eher als Größenordnung als als aktuelle Marktzahl.

Auch Neuschrott ist nicht automatisch frei von Verunreinigungen. Laut Umweltbundesamt können beispielsweise Beschichtungen oder Kühlschmiermittel am Material haften.

Industrieschrott, Haushaltsschrott und Mischschrott im Vergleich

Die drei Schrottarten trennt vor allem, woher das Material kommt, wie homogen es ist und wie planbar die Mengen anfallen. Haushaltsschrott kommt über Wertstoffhöfe oder Sperrmüllsammlungen und besteht häufig aus Verbundprodukten mit Kunststoff, Glas oder Elektronik. Mischschrott ist ein unsortiertes Gemenge verschiedener Metalle, Stärken und Formen, das meist erst nach dem Shreddern werksgerecht wird.

MerkmalIndustrieschrottHaushaltsschrottMischschrott
HerkunftFertigung, Instandhaltung, RückbauPrivate HaushalteSammlungen aller Art
HomogenitätHoch bis mittelGering, viele VerbundteileGering
MengenKontinuierlich, planbarKlein, unregelmäßigSchwankend
Werkstoff bekanntHäufigSeltenNein
Typischer WegWerk oder HändlerWertstoffhofShredderanlage
ErlöspotenzialHoch bei SortenreinheitNiedrigNiedrig

Ein häufiger Fehler: Betriebe geben ihre Metallabfälle pauschal als Mischschrott ab, obwohl zwei oder drei zusätzliche Behälter sortenreine Fraktionen erzeugen würden. Damit verschenken sie genau den Vorteil, den Industrieschrott gegenüber Haushaltsschrott hat.

Die Europäische Stahlschrottsortenliste als Maßstab

Für Stahlschrott ist die Europäische Stahlschrottsortenliste die gemeinsame Sprache zwischen Anfallstelle, Handel und Stahlwerk. Sie ordnet Material nach Kürzeln wie E1, E2 oder E3 und legt Materialstärke, Stückmaß, Restelementgehalt und ausgeschlossene Bestandteile fest.

Parallel dazu gilt im Inland die deutsche Sortenliste, auf die sich die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) bezieht.

Was unterscheidet die deutsche Sortenliste von der europäischen?

Der wichtigste Unterschied liegt in der Systematik:

MerkmalDeutsche SortenlisteEuropäische Sortenliste
BezeichnungSorten mit Ziffern, etwa „Sorte 3“ oder „Sorte 5“Sorten mit E-Kürzeln
Typischer Einsatzhäufig in regionalen Ankaufslisten und im deutschen SchrotthandelReferenz im grenzüberschreitenden Handel und bei international einkaufenden Werken
Übertragbarkeitnicht immer eindeutig auf europäische Sorten übertragbarnicht in jedem Fall eins zu eins mit deutschen Sorten gleichzusetzen

Für die Vertragsgestaltung ist deshalb wichtig, eindeutig festzulegen, nach welcher Sortenliste abgerechnet wird und die vereinbarte Sorte mit ihrem vollständigen Kürzel zu benennen. Werden beide Systeme verwendet, ohne die Zuordnung klar festzuhalten, kann im Streitfall die Eingangskontrolle des Abnehmers ausschlaggebend sein.

Welche Grundanforderungen gelten für jede Sorte?

Nach der deutschen Sortenliste gelten für alle Schrottsorten drei grundlegende Anforderungen:

  • Der Schrott muss chargierfähig sein: Das Material muss ohne zusätzliche Nacharbeit in den Schrottkorb und damit direkt in den Schmelzprozess eingebracht werden können.
  • Der Schrott muss sich magnetisch entladen lassen: Lose Nichteisenmetalle und nichtmetallische Füllstoffe dürfen deshalb nur in sehr begrenztem Umfang enthalten sein.
  • Der Schrott muss frei von schädlichen Bestandteilen sein: Fremdstoffe dürfen den Schmelzprozess, die Anlagen oder die Qualität des erzeugten Stahls nicht beeinträchtigen.

Gerade bei den schädlichen Bestandteilen entstehen häufig Reklamationen. Problematisch sind insbesondere geschlossene Hohlkörper, Behälter mit Restinhalt, Öl, Kunststoff sowie Kupfer aus Motorwicklungen oder Kabelresten.

Kupfer ist für Stahlwerke besonders kritisch, weil es sich metallurgisch nicht mehr aus der Stahlschmelze entfernen lässt. Schon geringe unerwünschte Kupferanteile können deshalb die Qualität der Schmelze beeinträchtigen.

Altschrott und Späne: E1, E3, E40, E5H und E5M

Für Instandhaltung, Rückbau und Zerspanung sind vor allem fünf Sorten relevant: leichter und schwerer Stahlaltschrott, Shredderschrott sowie zwei Spänesorten.

SorteBezeichnungKriterienAusgeschlossen oder kritischTypische Herkunft
E1Leichter StahlaltschrottÜberwiegend unter 6 mm StärkePkw-Karosserien, HaushaltsgeräteVerkleidungen, Regale, Blechteile
E3Schwerer StahlaltschrottMeist über 6 mm, höchstens 1,5 × 0,5 × 0,5 mBetonstahl, Pkw-KarosserienStahlbau, Träger, Maschinenrückbau
E40ShredderstahlschrottZerkleinertes MaterialFällt nicht im Betrieb an, entsteht erst im ShredderMischschrott, Karosserien, Altgeräte nach dem Shredder
E5HKohlenstoffstahlspäne, homogenHomogene Lose bekannten UrsprungsSpäne anderer Werkstoffe im LosSerienzerspanung eines Werkstoffs
E5MKohlenstoffstahlspäne, gemischtKohlenstoffstahlspäne bekannten Ursprungs, verschiedene StähleEdelstahl- und NE-SpäneLohnfertigung mit wechselnden Stählen

Die Ausschlüsse bei E1 entsprechen der Sortenliste: Pkw-Karosserien und Haushaltsgeräte gehören ausdrücklich nicht in leichten Stahlaltschrott. Beide enthalten Kunststoffe, Kabel und Kupferanteile, die sich ohne Zerkleinerung nicht abtrennen lassen, und laufen deshalb in der Regel über die Schredderanlage und erreichen das Werk als E40. Wer ausgediente Kühlschränke oder Spülmaschinen aus der Betriebsküche in den E1-Container wirft, riskiert die Abwertung der gesamten Lieferung.

Der Unterschied zwischen E5H und E5M ist mehr als eine Formalie. E5H setzt ein homogenes Los aus einem bekannten Prozess voraus, E5M lässt Mischungen verschiedener Kohlenstoffstähle zu und wird in der Regel niedriger bewertet. Zerspanst du auf einer Maschine dauerhaft denselben Stahl, lohnt sich ein eigener Spänebehälter für genau diese Maschine; legierte Späne und Edelstahlspäne gehören in keines der beiden Lose.

Welche Neuschrottsorten sind für Produktionsbetriebe relevant?

Stanzereien, Blechbearbeiter und Automobilzulieferer vermarkten ihren Verschnitt vor allem über E2, E8 und E6, die Sorten für restelementarmes Material aus der laufenden Fertigung. Für diese Betriebe sind sie wichtiger als jede Altschrottsorte, weil sie den Großteil ihres Metallanfalls ausmachen.

SorteBezeichnungKriterienTypische Herkunft
E2Schwerer NeuschrottDickwandige Produktionsabfälle, restelementarmAbschnitte aus Grob- und Mittelblech, Brennschnittreste
E8Leichter Neuschrott, loseDünnwandiger Verschnitt, unverpresstStanzgitter, Randbeschnitt, Coilenden
E6Leichter Neuschrott, paketiertDünnwandiger Neuschrott, gepresst oder gebundenStanzgitter aus der Paketierpresse

Die genauen Stärkegrenzen, Paketmaße und Restelementwerte legt die Sortenliste fest. Lass dir die Zuordnung im Rahmenvertrag mit ausdrücklichem Verweis auf die Sorte bestätigen, statt dich auf die Bezeichnungen in Ankaufslisten zu verlassen.

Worauf du achten solltest:

  • Verzinkte, lackierte oder folierte Bleche getrennt erfassen: Halte sie von blankem Verschnitt getrennt und melde die Beschichtung dem Abnehmer ausdrücklich.
  • Eine eigene Paketierpresse lohnt sich erst bei ausreichender Menge: E6-Pakete reduzieren das Transportvolumen und erleichtern das Chargieren. Bei kleineren Mengen übernimmt das Paketieren in der Regel der Handel.

„Industrieschrott Sorte 3“: Begriff aus der Handelspraxis

Eine offizielle Sorte mit diesem Namen gibt es nicht, gemeint ist in Ankaufslisten und Kundenanfragen meist schwerer Stahlaltschrott, also das Material, das die europäische Liste als E3 führt. Die Formulierung stammt aus der Ziffernlogik älterer Händlerlisten. Weil regionale Händler ihre Listen unterschiedlich benennen, lässt du dir die Zuordnung schriftlich bestätigen, bevor du Angebote vergleichst.

Für die Einstufung als E3 sind vor allem zwei Punkte wichtig:

  • Das Stückmaß muss eingehalten werden: Überlange Träger dürfen höchstens 1,5 × 0,5 × 0,5 m groß sein. Andernfalls kann der Händler das Material in eine niedrigere Sorte einstufen, die vor dem Einsatz noch geschert werden muss.
  • Betonstahl gehört nicht zu E3: Material aus dem Rückbau wird separat erfasst und sollte deshalb nicht mit schwerem Stahlaltschrott vermischt werden.

Nichteisenmetalle und Edelstahl im Industrieschrott

Nichteisenmetalle und Edelstahl fallen nicht unter die Stahlschrottsortenliste, sondern werden in eigenen Handelsklassen erfasst und erzielen pro Tonne in der Regel deutlich höhere Erlöse als Stahlschrott. Ihre Preise orientieren sich an Börsennotierungen, vor allem an der London Metal Exchange (LME), bei Edelstahl zusätzlich an den Legierungselementen Nickel, Chrom und Molybdän. Für jede dieser Fraktionen gelten eigene Trennregeln.

Wie wird Aluminiumschrott sortiert?

Aluminiumschrott solltest du in zwei Stufen sortieren:

  1. Zuerst nach Legierungsart trennen: Unterscheide Knetlegierungen von Gusslegierungen.
  2. Danach nach Materialform sortieren: Profile, Bleche, Gussteile und Späne werden jeweils getrennt gesammelt.

Die Handelssorten beschreibt die DIN EN 13920, daneben verwenden viele Händler eigene Ankaufsbezeichnungen. Den höchsten Wert erzielen meist sortenreine Knetlegierungen einer bekannten Legierungsreihe, etwa Profilreste aus 6xxx-Legierungen einer Strangpresserei.

Besonders aufpassen solltest du bei diesen Fraktionen:

  • Aluminiumspäne mit hohem Emulsionsanteil sollten vor der Abgabe abtropfen oder brikettiert werden, weil anhaftende Flüssigkeit die Qualität der Charge mindert.
  • Verbundteile mit Stahl, Kunststoff oder thermischer Trennung sollten separat erfasst werden, wie es beispielsweise bei vielen Fensterprofilen der Fall ist.
  • Gussteile mit eingepressten Stahlbuchsen gehören in eine eigene Fraktion, weil die Fremdmetalle sonst die Legierungsreinheit der gesamten Charge beeinträchtigen können.

Kupfer und Messing: hoher Wert, hohes Fehlwurfrisiko

Kupfer und Messing gehören meist zu den wertvollsten Fraktionen im Betrieb. Entsprechend groß ist der Verlust, wenn sie falsch einsortiert werden.

Gehandelt wird vor allem nach Reinheit und Materialart:

  • Blankes Kupfer aus Draht oder Stromschienen erzielt die höchste Einstufung, solange keine Lacke, Verzinnungen oder andere Anhaftungen vorhanden sind.
  • Kupfer mit Beschichtungen oder sonstigen Anhaftungen wird niedriger bewertet, weil zusätzlicher Aufbereitungsaufwand entsteht.
  • Kabel werden nach ihrem Kupferanteil eingestuft, da Isolierung und andere Bestandteile den Metallanteil der Gesamtmasse reduzieren.
  • Messing wird getrennt nach Stücken und Spänen gehandelt, weil beide Fraktionen unterschiedlich aufbereitet und bewertet werden.

Die Handelssorten für Kupferschrott regelt die DIN EN 12861.

Elektromotoren und Transformatoren gehören in eine eigene Fraktion, weil Wicklungen und Stahlkern gemeinsam verkauft werden. Landet ein Motor im E3-Container, entsteht ein doppelter Verlust: Der Betrieb erhält keinen NE-Metall-Erlös für das enthaltene Kupfer und riskiert gleichzeitig eine Abwertung der Stahlcharge.

Eine eigene Gitterbox für Kupfer, Messing sowie Motoren und Transformatoren kann sich deshalb bereits bei regelmäßigem Anfall schnell lohnen.

Woran erkennst du Edelstahlschrott?

Für die erste Sortierung helfen vor allem Magnettest, Legierungskenntnis und gegebenenfalls eine RFA-Messung:

  1. Austenitischer Edelstahl wie 1.4301 (V2A) oder 1.4571 (V4A) ist weitgehend unmagnetisch. Der Magnettest eignet sich deshalb gut für die schnelle Vortrennung am Behälter.
  2. Der Magnettest ist nicht vollständig zuverlässig. Kaltverfestigter Austenit kann leicht magnetisch werden, während ferritische Chromstähle wie 1.4016 deutlich magnetisch sind und deshalb leicht fälschlich im normalen Stahlschrott landen.
  3. Für den Wert ist vor allem die Legierung entscheidend. Molybdänhaltiges V4A-Material wird in der Regel höher bewertet als V2A, weil sich der Schrottwert wesentlich nach den enthaltenen Legierungselementen richtet.
  4. Bei unklaren Teilen hilft eine RFA-Analyse. Mit einem Handspektrometer lässt sich die Legierung per Röntgenfluoreszenzanalyse bestimmen; alternativ kannst du beim Händler nach einer Messung vor Ort fragen.
  5. Edelstahlspäne gehören strikt getrennt von Kohlenstoffstahlspänen. Schon geringe Vermischungen können ein hochwertiges E5H-Los abwerten.

Verwertungswege: Vom Container ins Schmelzaggregat

Industrieschrott erreicht das Schmelzaggregat entweder direkt oder über einen Händler, der ihn schert, shreddert, paketiert und zu werksgerechten Chargen zusammenstellt. Welcher Weg sich rechnet, hängt von Menge, Sortenreinheit und Kontinuität des Anfalls ab.

Wann lohnt sich der Direktverkauf an ein Stahlwerk?

Der Direktverkauf an ein Stahlwerk lohnt sich vor allem, wenn mehrere Voraussetzungen zusammenkommen:

  • Du erzeugst große und kontinuierliche Mengen einer einheitlichen Neuschrottsorte. Das Werk kann dann mit planbaren Liefermengen rechnen.
  • Der Werkstoff ist eindeutig bekannt und dokumentiert. Besonders gefragt ist restelementarmes Material aus klar definierten Produktionsprozessen.
  • Das Material benötigt kaum zusätzliche Aufbereitung. Laut Umweltbundesamt werden beispielsweise Stanzabfälle aus der stahlverarbeitenden Industrie häufig direkt an Stahlwerke verkauft.
  • Die eingesparte Händlermarge überwiegt den eigenen Logistik- und Verwaltungsaufwand.

Im Gegenzug übernimmst du beim Direktverkauf mehr Verantwortung. In der Praxis brauchst du meist Rahmenverträge mit festen Liefermengen, eine lückenlose Sortendokumentation und eigene Umschlagkapazitäten. Auch Qualitätsrisiken und mögliche Reklamationen trägst du selbst.

Bei gemischtem oder unregelmäßigem Schrottanfall ist ein regionaler Händler meist die praktikablere Lösung, weil er kleinere Mengen verschiedener Betriebe bündelt.

Aufbereitung und Vermarktung über den Handel

Der Schrotthandel macht aus heterogenem Material verkaufsfähige Sorten. Je nach Ausgangsmaterial kommen unterschiedliche Aufbereitungsverfahren zum Einsatz:

  • Schrottscheren kürzen überlange Träger: Das Material wird auf die für E3 erforderlichen Abmessungen gebracht.
  • Paketierpressen verdichten leichten Schrott: Daraus entstehen kompakte E6-Pakete für Transport und Chargierung.
  • Shredderanlagen zerlegen Mischschrott, Karosserien und Altgeräte: Nach der Aufbereitung kann daraus unter anderem die Sorte E40 entstehen.

Auch die Vermarktung richtet sich nach Material und Abnehmer: Nichteisenmetalle gehen an Umschmelzwerke und Hütten, Edelstahl an Werke, die Nickel und Chrom zurückgewinnen beziehungsweise erneut einsetzen, und Grauguss vielfach an Gießereien.

Auf der Werksseite unterscheiden sich die Anforderungen deutlich:

  • Elektrostahlwerke setzen Schrott als Haupteinsatzstoff ein und benötigen für hochwertige Flachstahlgüten besonders restelementarme Sorten.
  • Integrierte Hüttenwerke verwenden Schrott im Oxygenkonverter in geringerem Umfang und setzen ihn dort unter anderem als Kühlmittel ein.

Bei einem Schrotteinsatz auf dem tiefsten Niveau seit 2009 können Werke zudem wählerischer auftreten. Saubere, klar definierte Sorten werden dadurch zu einem stärkeren Verkaufsargument.

Welche Abzüge drohen bei der Eingangskontrolle?

Am häufigsten ziehen Abnehmer für Fremdanteile, anhaftende Flüssigkeiten, Übermaß und kritische Bestandteile wie Kupfer oder geschlossene Hohlkörper ab, im ungünstigsten Fall stufen sie die ganze Lieferung in eine niedrigere Sorte ab. Geprüft wird über Verwiegung, Sichtkontrolle beim Abkippen und bei Bedarf Analysen. Viele Werke messen an der Einfahrt zusätzlich auf Radioaktivität und weisen auffällige Lieferungen zurück.

Fremdanteile, Öl und Übermaß als häufigste Abzugsgründe

Die meisten Abzüge lassen sich auf vier Ursachen zurückführen, die schon beim Befüllen des Behälters entstehen. Wie hoch sie ausfallen, regelt der Vertrag oder die Ankaufsbedingung des Abnehmers, deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf vor dem ersten Abschluss.

AbzugsgrundTypischer AuslöserFolgeGegenmaßnahme
FremdanteileHolz, Paletten, Kunststoff, Beton, KehrichtProzentualer GewichtsabzugBehälter nur für eine Fraktion, keine Mitnutzung als Restmüll
FlüssigkeitenKühlschmierstoff, Öl, Regenwasser in SpänenGewichtsabzug, bei starker Belastung AnnahmeverweigerungSpäne abtropfen lassen, zentrifugieren oder brikettieren, Behälter abdecken
ÜbermaßTräger und Rohre über dem SortenmaßSchneidkosten oder AbwertungVor der Abgabe auf Sortenmaß kürzen
Kritische BestandteileMotoren, Kabel, geschlossene Behälter, GasflaschenAbwertung, Rücktransport, Reklamation der ChargeSeparate Gitterbox, Hohlkörper öffnen und entleeren

In der Praxis unterschätzt wird die Nässe in Spänebehältern. Ein offen im Hof stehender Container nimmt Regenwasser auf, das beim Werk als Fremdgewicht zählt und die Späne oxidieren lässt. Ein Deckel oder ein überdachter Stellplatz kostet weniger als der Abzug auf eine einzige Ladung.

Wie vermeidest du Reklamationen?

Die meisten Reklamationen lassen sich vermeiden, wenn Sortierung, Dokumentation und Abzugsregeln vorab klar festgelegt sind:

  • Behälter eindeutig nach Sorten beschriften: So sinkt das Risiko, dass unterschiedliche Schrottqualitäten versehentlich vermischt werden.
  • Jede Abholung fotografisch dokumentieren: Fotos der befüllten Behälter vor der Abholung helfen, den Zustand der Charge später nachzuvollziehen.
  • Abzugsregeln schriftlich vereinbaren: Der Vertrag sollte festlegen, wann und in welcher Höhe Qualitätsabzüge zulässig sind.
  • Nachweise für Abzüge verlangen: Vereinbare, dass der Abnehmer Beanstandungen mit Fotos vom Abkippen und dem Wiegeschein belegt und dir eine Frist zur Nachkontrolle einräumt.
  • Alle Beteiligten in die Sortierung einweisen: Dazu gehören neben den eigenen Mitarbeitenden auch Reinigungskräfte und Fremdfirmen, die bei Instandhaltungsarbeiten Zugang zu den Behältern haben.
  • Sortierregeln direkt am Stellplatz sichtbar machen: Ein Aushang mit Fotos erlaubter und verbotener Teile reicht für die tägliche Orientierung meist aus.
  • Behälter nach Änderungen engmaschiger kontrollieren: Prüfe sie in den ersten Wochen nach einer Umstellung wöchentlich; später genügt meist eine Sichtkontrolle vor der Abholung.

Ohne dokumentierte Abzugsregeln und Nachweise lässt sich eine Gutschrift mit pauschalem Qualitätsabzug im Nachhinein deutlich schwerer prüfen oder beanstanden.

Pflichten als Abfallerzeuger

Als Betrieb bist du Abfallerzeuger im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG), und diese Verantwortung bleibt bestehen, auch wenn du einen Entsorger beauftragst. Verkaufter Schrott ist rechtlich in der Regel zunächst Abfall, die Abfalleigenschaft endet erst nach einem Verwertungsverfahren. Wähle deshalb Abnehmer mit gültigem Zertifikat als Entsorgungsfachbetrieb und prüfe, ob es die Abfallschlüssel deiner Fraktionen abdeckt.

Welche Abfallschlüssel gelten für Metallschrott?

Den Abfallschlüssel bestimmst du nach der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) über den Herkunftsbereich: Produktionsabfälle aus der mechanischen Bearbeitung fallen unter Kapitel 12, Metalle aus Bau- und Abbrucharbeiten unter Kapitel 17. Dieselbe Stahlplatte kann also je nach Anfallort unterschiedlich einzustufen sein.

AbfallschlüsselBezeichnung nach AVVTypischer Industrieschrott
12 01 01Eisenfeil- und -drehspäneStahlspäne aus der Zerspanung
12 01 03NE-Metallfeil- und -drehspäneAluminium-, Messing- und Kupferspäne
17 04 01Kupfer, Bronze, MessingKupferteile aus Rückbau und Umbau
17 04 02AluminiumProfile und Bleche aus dem Rückbau
17 04 05Eisen und StahlTräger, Stahlbauteile, Maschinenrückbau
17 04 07Gemischte MetalleUnsortierter Metallrückbau

Stark mit Öl oder Kühlschmierstoff belastete Späne und Schlämme können unter einen gefährlichen Abfallschlüssel mit Sternchen fallen. Dann greifen die Nachweispflichten der Nachweisverordnung einschließlich des elektronischen Abfallnachweisverfahrens (eANV), was Aufwand und Entsorgungskosten deutlich erhöht. Auch deshalb zahlt sich das Entölen der Späne doppelt aus.

Was verlangt die Gewerbeabfallverordnung?

Für gewerbliche Siedlungsabfälle sowie Bau- und Abbruchabfälle verlangt die Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV), Metalle getrennt zu sammeln und diese Getrenntsammlung zu dokumentieren.

Als Nachweise kommen insbesondere infrage:

  • Lagepläne der Behälterstandorte, aus denen die getrennte Erfassung hervorgeht
  • Fotos der Sammelbehälter und Fraktionen, die die tatsächliche Trennung dokumentieren
  • Liefer- und Wiegescheine, die Mengen und Abnehmer belegen
  • Bestätigungen des Entsorgers, die den weiteren Entsorgungsweg nachvollziehbar machen

Diese Unterlagen musst du auf Verlangen der zuständigen Behörde vorlegen können.

Für die Praxis ist die Abgrenzung wichtig: Metall aus Büro, Kantine, Werkstattumbau oder Hallenrückbau fällt unter die GewAbfV, produktionsspezifische Abfälle aus Kapitel 12 wie Späne dagegen nicht.

Trotzdem lohnt es sich, die Belege für alle Fraktionen nach demselben System zu führen, etwa sortiert nach Abfallschlüssel und Abnehmer. So kannst du sowohl behördliche Anfragen als auch Preisreklamationen mit denselben Unterlagen beantworten.

Fazit: Sortenreinheit ist der größte Hebel

Den Erlös für Industrieschrott bestimmt weniger der Tagespreis als die Frage, ob dein Material sauber in eine Sorte passt. Die drei wirksamsten Maßnahmen sind eigene Behälter für E2, E8 und homogene Späne, eine separate Gitterbox für Kupfer, Messing und Motoren sowie ein Rahmenvertrag, der Sortenliste, Sortenkürzel und Abzugsregeln eindeutig festlegt.

Der schwache Schrotteinsatz der deutschen Stahlwerke verschiebt die Verhandlungsmacht zu den Abnehmern. Betriebe, die restelementarmes, trockenes und dokumentiertes Material liefern, bleiben dennoch gefragte Lieferanten. Wer die abfallrechtliche Seite mit Abfallschlüsseln, GewAbfV-Dokumentation und zertifizierten Entsorgern gleich mitorganisiert, vermeidet zusätzlich Bußgeldrisiken.

FAQ zum Thema Industrieschrott

Was zählt als Industrieschrott?

Alle metallischen Reststoffe aus gewerblicher Fertigung, Wartung und Rückbau, von Stanzgittern bis zur ausgemusterten Maschine. Entscheidend für den Preis ist, welcher Handelssorte das Material zugeordnet wird.

Ist „Sorte 3“ dasselbe wie E3?

Meist ja, verbindlich ist das aber nicht. Lass dir vom Händler schriftlich bestätigen, welche E-Sorte hinter seiner Ziffer steht, sonst vergleichst du Angebote für unterschiedliche Qualitäten.

Dürfen alte Haushaltsgeräte in den Container für leichten Stahlschrott?

Nein, die Sortenliste schließt sie für E1 aus. Gib sie separat als Elektroaltgeräte oder über den Händler zum Shreddern ab.

Warum sind Kupferreste im Stahlschrott so problematisch?

Das Werk bekommt Kupfer aus der Schmelze nicht mehr heraus. Schon ein einzelner Motor im Stahlcontainer kann deshalb eine Abwertung der gesamten Lieferung auslösen.

Brauche ich für Metallschrott einen Entsorgungsnachweis?

Für nicht gefährlichen Schrott in der Regel nicht, wohl aber Wiegescheine und bei gewerblichen Siedlungsabfällen die Dokumentation der Getrenntsammlung. Anders sieht es bei stark ölhaltigen Spänen mit Sternchenschlüssel aus: Dort wird das elektronische Nachweisverfahren Pflicht.

Lohnt sich eine eigene Paketierpresse?

Erst bei größeren, regelmäßigen Mengen an dünnem Verschnitt. Rechne Anschaffung und Betrieb gegen die eingesparten Transporte und den Preisunterschied zwischen loser und paketierter Ware, den dir dein Abnehmer nennen kann.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von unserer Redaktion geprüft und freigegeben.